Ein neugefundener Freund in der (k)alten Heimat schickte mir ein Foto von einem Buch mit dem Titel "Die RAF hat Euch lieb", welches er sich als Reiselektüre für seine heutige Bahnfahrt von Hamburg nach Berlin mitgenommen hatte.
Er war schon eine Stunde vom Hauptbahnhof Hamburg weg ehe mir klar wurde dass er kein plötzliches Interesse in die britische Royal Air Force hatte, sondern etwas über deutsche Terroristen in der Bundesrepublik der späten sechziger Jahre lesen wollte. Diese ganze Sache war mir doch völlig entgangen denn ich war schon in 1965 nach Australien ausgewandert, ehe diese Verrückten begannen das Wirtschaftswunder dass wir mit harter Arbeit aufgebaut hatten wieder zu zerreissen.
Wie Bettina Röhl in dem Buch schrieb, "Die Bundesrepublik der Sechziger- und Siebzigerjahre war ein Glücksfall in der deutschen Geschichte. Die junge Bundesrepublik hatte Glück. Vielleicht in dem Ausmaß, in welchem sie es hatte, nicht verdient, aber doch selbst erarbeitet. Nach den Schrecken der Nazizeit hatte sie, anders als die DDR, das Glück, im Westen Deutschlands zu liegen und Teil der westlichen Allianz zu werden. Vom Start an hatte sie Glück mit der Einführung der D-Mark am 20. Juni 1948 und einem gelungenen Grundgesetz, mit dessen Inkrafttreten im Mai 1949 die eigentliche Existenz der Bundesrepublik ihren Anfang nahm."
Was mich viel mehr interessierte war seine Durchfahrt durch meine Geburtsstadt Stendal, von der er mir den obigen Videoclip schickte.
Also, das sieht auch alles ziemlich trostlos aus und ich habe wirklich nicht viel versäumt indem ich mich immer gegen einen späteren Besuch gewehrt hatte. Mietkasernen, kahle Bäume, und nirgendwo sieht man ein Kängeruh! Die können auch weiterhin ohne mich auskommen.

