Das Abenteuer "Rund um unsere Welt per Fahrrad" war damals vor über dreißig Jahren so einmalig, daß die großen Rundfunkanstalten jahrelang im Schulfunk darüber berichteten. Meine Bücher "Ich radle um die Welt" wurden von Millionen Deutschen gelesen. Das war einmal."
So schrieb Heinz Helfgen noch kurz vor seinem Tod am 28. Oktober 1990 in dem Vorwort zu der Neuausgabe seines Buches in 1988. Als Junge hatte ich seine zweibändige Erstausgaben "Ich radle um die Welt: Von Düsseldorf bis Burma" und "Ich radle um die Welt: Burma, Indochina, Japan, USA, Grüne Hölle" verschlungen. Beide Bände und die einbändige Neuausgabe stehen heute noch auf dem Regal in meiner Bibliothek.
Der erste Band begann mit den Worten, "Mein Entschluß. mit dem Fahrrad unseren geliebten alten Erdball zu umrunden, kam sehr plötzlich. Ich sagte mir: 'Du lebst nur einmal, und es geschieht so viel in der Welt. Du liest kleine Zeitungsnotizen as fremden Ländern - und niemals darfst du selbst dabeisein, wenn irgend etwas los ist!' Wieso darfst du's eigentlich nicht? dachte ich. Darfst du's wirklich nicht?"
Nach fast siebzig Jahren kann ich jetzt nur noch ahnen ob seine ersten Worte dazu beitrugen daß ich später nach Australien auswanderte. Das Reisen war mir schon im Blut gewesen nachdem ich als damaliger Volksschüler und in der Fahrtenkluft der "Fahrender Gesellen" per Anhalter schon fast jedes Land im westlichen Europa besucht hatte.
Vielleicht passten die ersten Worte in der Neuausgabe mehr zu meiner Situation: "War es der Mut der Verzweiflung oder ein unbändiges Selbstvertrauen? Ich weiß es nicht und habe es nie gewußt. Tollkühn war es jedenfalls ..." Heinz Helfgen fuhr los mit 3,80 DM und 15 Kilo Gepäck. Ich hatte mehr Gepäck aber weniger Geld denn alles was ich hatte nachdem ich meine geliebte Briefmarkensammlung verhökert hatte, zahlte ich der australischen Regierung für meine Schiffsreise.
Seine letzten Worte waren: "Aber das Wunder war geschehen. Nach zweieinviertel Jahren Weltumradlung winkte die Heimat ..." Und sie winkte auch mir, denn nach zwei Jahren fuhr ich kurzentschlossen wieder nachhause. Aber das Zuhause daß für mich schon vor meiner Abreise kein Zuhause gewesen war, hatte sich auch nicht verändert.
Meine neue Heimat winkte und fünfzehn Monate später war ich wieder in Australien. Und vierzig Jahre später kaufte ich mir die zweibändige Erstaufgabe und Neuausgabe der Bücher des Heinz Helfgens wieder.
