Der Dichter Jean Pau hat im 19. Jahrhundert geschrieben, dass bei der Geburt eines jeden Menschen ein Pfeil abgeschossen wird, der ihn in der Todesstunde trifft. Was für ein schönes Bild. Noch fliegt er. Also wird noch gelebt!
So schrieb Elke Heidenreich in ihrem Buch "Altern" welches schon auf meinem Wunschzettel steht, obwohl der Preis und die hohen Portokosten von Deutschland mich noch etwas zurückhalten. Und dann lese ich Rezensionen wie diese hier im 'Writer's Pit': "... das Buch [besteht] zu fast einem Drittel aus Zitaten aus anderen Büchern, deren Zusammenhang mit dem umgebenden Text eher nebulös bleibt. Dass das Buch auf der SPIEGEL-Liste erscheint, ist wohl eher der Popularität der Autorin geschuldet, der Inhalt ist weder Autobiografie, noch nähert er sich dem Thema mit allgemeinem Bezug. Mir ist nicht einmal ein Untertitel dazu eingefallen, außer vielleicht 'Elke Heidenreich erzählt aus ihrem Leben'. Trotzdem ich selbst nicht mehr der Jüngste bin, konnte ich weder Heidenreichs Erkenntnisse noch die Zitatsammlung verwerten. Sorry für die Offenheit, aber dieses Buch kann man sich einfach sparen."
Meine alten Freunde im archive.org haben viele ihrer Bücher 'online' aber leider nicht dieses Buch um es ein bißchen anzuschnuppern ehe ich es kaufe. Also bleibt mir nur die obige Buchlesung mit Klavierbegleitung und das untere Gespräch (sagt man jetzt auch schon 'interview' in Deutschland?) mit Yves Bossart welches ich auf ein USB-'stick' (kann man das eindeutschen?) kopiert habe und mir oft im Bett anhöre.
Wie Elke Heidenreich sagte und schrieb: "Über das Altwerden habe ich lange gar nicht nachgedacht. Ich habe einfach immer weitergelebt und gemerkt, dass mir manche Dinge schwererfielen als früher, dass sich einiges änderte, dass ich keine High Heels mehr tragen mochte zum Beispiel. Hinter dem Bus herrennen konnte ich aber auch in flachen Schuhen nicht mehr, sieh da! Und das Treppensteigen fiel schwerer. Die Nächte waren unruhiger: Ich wurde früher müde, lag dann aber lange wach. Was passierte da? Ich habe alle Gedanken ans Altwerden lange verdrängt. Denn es ist ja wirklich so: Alle wollen alt werden, keiner will alt sein."
So geht es mir auch - obwohl ich gerne auf die 'High Heels' verzichte (so wie ich meine Schwestern überhörte, hiessen die zu meiner Zeit noch 'hohe Schuhe') Genieße ich mein Alter? Genießen würde ich das jetzt nicht nennen, es mischt sich schon viel Wehmut in den nahen Abschied, auch rückblickend auf all die falschen Abzweigungen, die ich genommen habe. Aber genau das darf man nicht zulassen: das Versinken in diesem "Was wäre, wenn ..." (oder sagt man jetzt schon "What if's"?).
Hier ist es früh am Morgen. Das ganze Haus schläft noch, aber nach einem Nescafé und einem Stück Toast mit Marmelade fliegt mein Pfeil wieder, ist aber noch nicht angekommen. Also wird weitergelebt!






